Als ich geschrieben habe, der Herbst hat es heuer wieder in sich, habe ich vergessen, dass der November und Dezember ja noch vor der Türe stehen. „Eigentlich hätte ich es ja wissen müssen“, aber ich würde so gerne mal positiv überrascht werden. Aus meiner jahrelangen Arbeit mit Menschen weiß ich, dass diese beiden Monate für viele sehr schwer händelbar sind. So sind depressive Verstimmungen, Überforderung, Erkrankungen gerade in diesen Monaten wesentlich häufiger anzutreffen, als in all den Monaten zuvor. Das es in diesem Jahr mich (uns) persönlich erwischt, darauf war ich nicht vorbereitet. So verbringe ich gerade sehr viel Zeit im Spital an der Seite meines geliebten Mannes, der mit einer lebensbedrohenden Erkrankung kämpft. Jetzt in diesem Moment schläft er gerade, was ich zum Anlass nehme meine Gedanken niederzuschreiben.

Grundsätzlich bin ich ein riesengroßer Optimist und ich gehe davon aus, dass wir alle Herausforderungen, die uns das Leben stellt, meistern können. So sehe ich das auch jetzt in dieser schwierigen Zeit, die sich vor allem für meinem Mann gerade als die größte Herausforderung in seinem Leben zeigt.  Ich bin überzeugt davon, dass mein Mann wieder vollkommen gesund wird, sofern er es auch tatsächlich will. Denn, wenn Probleme in unserem Leben auftauchen, dann können wir auch davon ausgehen, dass wir die passenden Lösungen bereits in uns verankert haben (auch bei schwerwiegenden Erkrankungen). Wir können nur oftmals nicht darauf zurückgreifen, weil wir mit so vielen anderen Dingen beschäftigt sind und unser dauerhaftes Kopf-Kino die klare Sicht auf das große Ganze verstellt.

Dabei wäre es doch so einfach. Die Natur lebt es uns seit Jahrtausenden vor. Wozu gibt es denn in unseren Breitengraden 4 Jahreszeiten? Beobachten wir doch einmal die Tiere. Im Herbst wird die Ernte eingefahren, vergraben, versteckt und je kälter es wird desto mehr ziehen sich die Tiere in ihre Behausungen zurück. Die Natur stellt ihr Wachstum ein, die Laubbäume lassen ihre Blätter fallen. Wenn wir genau hinhören, erfahren wir, dass „es leiser wird“.

Aber was ist mit uns? Leben wir noch mit der Natur? Ich behaupte „nein, schon lange nicht mehr“. Wir „müssen“ mehr leisten, „müssen“ fit sein, „müssen“ in der Gesellschaft bestmöglich funktionieren. Die laufend ansteigenden Zahlen an Psychotherapien und den Aufenthalten in den Burnout Kliniken sprechen für sich. Es ist so nicht mehr zu schaffen.

Wir brauchen den Rückzug, das zur Ruhe kommen genauso wie die Natur uns das vorlebt. Langsamer werden, gemütlich am Abend zu Hause sitzen, ein Buch lesen, einen warmen Tee oder Kakao trinken, mit den Kindern gemeinsam Brettspiele spielen, alte Traditionen wieder neu hochleben lassen. Es geht nicht darum von einem Geschäft ins nächste zu hetzen, oder von einem Weihnachtsmarkt zum nächsten, sich all den Konsum reinzuziehen. Ständig für andere erreichbar zu sein, sich mit Handy und Internet beschäftigen. Das ist genau der verkehrte Weg.

Oktober, November, Dezember waren und sind die Monate des Rückzugs, der Besinnung auf das Wesentliche, das Reduzieren auf das Notwendigste. Zur Ruhe kommen, durchatmen, schlafen. Das Erkennen welchen Wert Familie und Freunde haben und die Besinnung auf sich selbst.

In diesem Sinne wünsche ich DIR eine ruhige Zeit, die Zeit für DICH, denn DU bist für DEINE Gesundheit, für Deinen Körper, für Deine Seele verantwortlich und deshalb bist DU der in diesem Fall wichtigste Mensch in Deinem Leben.

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